|
6. Oktober 2007, 10:15 Uhr bis ca. 18:00 Uhr
Gene. Geschichte(n). Geschlechter. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Soziobiologie oder: “Warum es so nicht stimmt”.
Tagesseminar mit Sibylle Kästner
Ein Seminar zum An-, Auf- und Abregen (garantiert ohne Einparkübungen!)
Biologische Erklärungsmuster für sozial konstruierte Geschlechterunterschiede sind in Mode. So entwickelte
sich z. B. das Buch „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken. Ganz natürliche Erklärungen für eigentlich unerklärliche Schwächen“ von Allan und Barbara Pease innerhalb kürzester Zeit zum Bestseller. „Die ganze Wahrheit über Männer und Frauen“ ist schnell auf den Punkt gebracht. Pease & Pease erklären die Ursachen geschlechterspezifischen Sozialverhaltens damit, dass Frauen noch immer die Nesthüterinnen sind und Männer die Jäger. Obwohl sich die Erde seitdem unzählige Male gedreht hat, Männer mittlerweile Anzüge tragen und Frauen aktiv in der Politik mitmischen, soll das Verhalten des modernen Menschen nach wie vor Züge eines Urmenschen aufweisen. Schuld daran seien Gene, Hormone und Hirnareale, die sich wenig um Emanzipation und Erziehungsurlaub scheren, sondern unbeeindruckt ihr biologisches, in der Urzeit entstandenes Programm abspulen. Pease & Pease folgen damit einer inzwischen weit verbreiteten soziobiologischen Argumentation. Zur Untermauerung ihrer Thesen zieht die Soziobiologie, die auch im Gewand der Evolutionsbiologie, Verhaltensbiologie o. Ä. auftritt, Erkenntnisse verschiedenster Disziplinen heran. Dazu gehören u. a. die Biologie, Primatologie, Archäologie, Ethnologie und Psychologie. Doch bei genauerer Betrachtung stellt sich vieles von dem, was von SoziobiologInnen scheinbar wissenschaftlich abgesichert präsentiert wird, als äußerst selektiv, kaum haltbar und mit Fehlern behaftet heraus. Dies trifft insbesondere (aber nicht nur) auf Ergebnisse naturwissenschaftlicher Forschungszweige wie der Biologie zu, die gemeinhin als objektiv wahrgenommen werden.
Im Seminar werden geläufige soziobiologische Theorien und Argumentationen über Frauen und Männer anhand von Textbeispielen vorgestellt und deren Auswirkungen auf das Verhältnis der Geschlechter diskutiert. Anschließend geht es darum, die Eindeutigkeit dieser Theorien im Hinblick auf ihre vermeintliche wissenschaftliche Absicherung kritisch zu hinterfragen. Dabei werden wir uns intensiver mit dem Gebiet der Hirnforschung beschäftigen, einen Abstecher in die Aggressionsforschung wagen und uns außerdem mit Ergebnissen der Archäologischen Geschlechterforschung vertraut machen. Zum Schluss wird noch Gelegenheit sein, sich darüber auszutauschen, ob und inwieweit wir uns dem angeblichen Diktat der Gene entziehen können und/oder müssen.
Sibylle Kästner, M.A. ist Archäologin und Ethnologin, Mitbegründerin des Netzwerks archäologisch arbeitender Frauen, Verfasserin zahlreicher Artikel und Aufsätze zu feministischer Archäologie und Matriarchatsforschung. Sibylle Kästner kommt zum vierten Mal ins Kalkwerk.
Seminargebühr: 75 Euro inkl. Mittagessen und Getränke
Beachten Sie bitte unsere Teilnahmebedingungen (siehe Seite “Kontakt”)

|