Kalkwerk organisiert Schweigekreis

Nach einem Brandanschlag auf ein von einer türkischen Familie bewohntes Haus in Neresheim ermittelt die Polizei mit einer 10köpfigen Sonderkommission wegen 7fachem versuchtem Mord. Nur durch Zufall entging ein 4jähriges Mädchen dem Tod: der Onkel entdeckte das durch Molotowcocktails entstandene Feuer im Wohnzimmer, in dem das Kind schlief, rechtzeitig und konnte die Nichte buchstäblich in letzter Minute retten. Zusammen mit dem NABU Neresheim initiierte das KALKWERK eine Aktion, um in Neresheim Zeichen zu setzen: Inge und Reinhard vom Kalkwerk konnten innerhalb kurzer Zeit viele Neresheimer Vereine, Parteien (CDU, SPD, Freie Wähler), den Handels- und Gewerbeverein, die Katholische Kirchengemeinde und die Evangelische Kirchengemeinde Schweindorf sowie den Türkisch-Islamischen Kulturverein für den Aufruf zu einem Schweigekreis gewinnen. Angekündigt in Zeitungen, Radiosendungen, durch Plakate und Handzettel in den Neresheimer Geschäften wurde der Schweigekreis (Freitag, 7. Januar) zu einem deutlichen Zeichen. Die Aalener “Schwäbische Post” schrieb: Foto: Schwäpo“Eine Stadt macht mobil” und sprach von einem deutlichen “Zeichen der Solidarität”. Nach Aussagen der Polizei waren über 400 Menschen auf den Neresheimer Marienplatz gekommen, darunter viele türkische EinwohnerInnen
In seiner kurzen Ansprache zu Beginn, die auch ins Türkische übersetzt wurde, sagte Reinhard, der Anschlag habe in Neresheim Entsetzen und Empörung ausgelöst und man könne nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. “Wir verurteilen diese menschenverachtende Tat aufs Schärfste - gleich, aus welchen Motiven sie begangen wurde.” Und: “Heute zeigen wir mit unserem Schweigekreis, dass wir wollen, dass alle Menschen in Neresheim sicher und ohne Angst leben können.”
Erleichtert und erfreut zeigte sich Bürgermeister Dannenmann nach dieser Solidaritätsaktion der Neresheimer und der anwesende Polizeidirektor Gerhard Wiest meinte, auf den Erfolg dieser Aktion könne man stolz sein.
Inge und Reinhard bedankten sich für die gute Zusammenarbeit bei allen, die die Aktion unterstützt haben, vor allem bei Gudrun Rupp, bei Ludwig Wiedenmann (CDU-Vorsitzender und Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins) und bei Wolfgang Schlenker.
Groß waren Erleichterung und Freude auch bei den türkischen EinwohnerInnen Neresheims angesichts der Solidarität, die sie hier erfuhren. Die Annäherung zwischen deutschen und türkischen Menschen in Neresheim soll im Sommer mit einem türkisch-deutschen Fest gefestigt werden.
Mit einem Satz von Erich Fromm wurden die TeilnehmerInnen der Solidaritätsaktion verabschiedet:
“Es gibt nur eine Hoffnung, der Welle der Gewalt Einhalt zu gebieten: Wir müssen wieder ein Gespür für alles Lebendige bekommen.”

Und lass’ die Kerze brennen, so lang sie brennen will...